Jeder Host macht am Anfang Fehler – das gehört zum Lernprozess. Aber einige Fehler kosten dich unnötig Reichweite, Reputation und potenzielle Gäste. Wir haben mit über 50 erfahrenen Schweizer Hosts gesprochen und die häufigsten Anfängerfehler identifiziert. Hier sind die Top 5 – und wie du sie vermeidest.
1. Kein oder schlechtes Gäste-Briefing
Der mit Abstand häufigste Fehler: Den Gast ohne Vorbereitung ins Interview schicken. Ein guter Gast braucht Orientierung – nicht, weil er inkompetent ist, sondern weil er das Beste aus dem Gespräch herausholen möchte.
Ein solides Briefing enthält: - Das Thema und den roten Faden der Episode - 5–8 Fragen als Orientierung (nicht als starres Skript) - Technische Anforderungen (Mikrofon, ruhige Umgebung, Kopfhörer) - Die ungefähre Dauer und den Ablauf - Links zu 1–2 Beispiel-Episoden, damit der Gast den Stil kennt
Sende das Briefing mindestens 3 Tage vor dem Interview. Das gibt dem Gast Zeit, sich Gedanken zu machen und eigene Anekdoten vorzubereiten. Du wirst den Unterschied sofort merken: Die Antworten werden tiefgründiger, die Geschichten konkreter und das ganze Gespräch flüssiger.
2. Zu viele Fragen, zu wenig Zuhören
Neue Hosts neigen dazu, ihre vorbereitete Fragenliste mechanisch abzuarbeiten – wie ein Bewerbungsgespräch statt ein echtes Gespräch. Das Ergebnis: Ein steifes Interview, das an der Oberfläche bleibt.
Die besten Interviews entstehen, wenn der Host wirklich zuhört und spontan nachhakt. Wenn dein Gast etwas Spannendes sagt, lass die nächste geplante Frage fallen und frag stattdessen: «Das ist interessant – erzähl mir mehr darüber.» Oder: «Was meinst du genau damit?»
Die Faustregel erfahrener Hosts: Plane 10 Fragen vor, aber sei bereit, nur 5 davon zu stellen. Der Rest entsteht natürlich aus dem Gespräch. Deine Hörer merken den Unterschied zwischen einem abgelesenen Interview und einem echten Dialog sofort.
3. Fehlende Nachbereitung und Promotion
Viele neue Hosts denken, die Arbeit sei nach der Aufnahme erledigt. Dabei beginnt nach dem Interview die eigentlich wichtige Phase: Schnitt, Shownotes, Veröffentlichung und vor allem Promotion.
Ein häufiger Fehler: Die Episode wird veröffentlicht und dann... Stille. Kein Social-Media-Post, keine Nachricht an den Gast, kein Newsletter. Die Episode verschwindet in der Masse und erreicht nur einen Bruchteil ihres Potenzials.
Erstelle für jede Episode einen Promotion-Plan: - Teile die Episode am Veröffentlichungstag auf LinkedIn, Instagram und Twitter - Sende dem Gast den Link mit vorgeschriebenen Social-Media-Texten, die er teilen kann - Erstelle 2–3 Audiogramme oder Zitat-Grafiken für die Tage danach - Erwähne die Episode in deinem Newsletter - Poste einen «Behind the Scenes»-Beitrag über die Aufnahme
Der Gast wird es dir danken – und ist viel eher bereit, die Episode in seinem Netzwerk zu teilen, wenn du ihm fertige Inhalte lieferst.
4. Schlechte Audioqualität akzeptieren
«Das Equipment upgrade ich später» – diesen Satz hören wir oft von neuen Hosts. Doch schlechte Audioqualität ist einer der Hauptgründe, warum Hörer eine Episode nach wenigen Sekunden abbrechen. Es muss kein teures Studio sein, aber ein paar Basics sind nicht verhandelbar.
Das Minimum für professionellen Sound: - Ein USB-Mikrofon (ab CHF 80 gibt es gute Optionen wie das Rode NT-USB Mini) - Kabelgebundene Kopfhörer (gegen Echo und Rückkopplung) - Eine ruhige Umgebung (Fenster zu, Handy stumm, Mitbewohner informiert) - Ein Pop-Filter oder Windschutz für das Mikrofon
Teste dein Setup vor jedem Interview. Nimm 30 Sekunden auf und höre es dir mit Kopfhörern an. Klingt es professionell? Gibt es störende Hintergrundgeräusche? Ist der Pegel gleichmässig? Diese 2 Minuten Vorbereitung sparen dir stundenlange Nachbearbeitung.
5. Keinen klaren Fokus oder Zielgruppe
Der letzte und vielleicht gravierendste Fehler: Einen Podcast ohne klaren Fokus zu starten. «Ich rede über alles, was mich interessiert» mag sympathisch klingen, aber es macht es unmöglich, eine treue Hörerschaft aufzubauen.
Erfolgreiche Podcasts lösen ein konkretes Problem für eine klar definierte Zielgruppe. Statt «Ein Podcast über Business» besser «Praxistipps für Schweizer Gründerinnen in den ersten drei Jahren». Statt «Interviews mit interessanten Menschen» besser «Gespräche mit Schweizer Innovatoren, die ihre Branche verändern».
Ein klarer Fokus hilft dir auch bei der Gästesuche auf Co-Host: Du weisst genau, welche Expertise du suchst, kannst gezielter filtern und überzeugendere Einladungen schreiben. Denn wenn du selbst nicht erklären kannst, worum es in deinem Podcast geht, wird es dein potenzieller Gast auch nicht verstehen.
Bonus-Tipp: Starte bevor du bereit bist
Der allergrösste Fehler ist es, gar nicht erst anzufangen. Perfektionismus ist der Feind des guten Podcasts. Deine ersten Episoden werden nicht perfekt sein – und das ist völlig okay. Jeder erfolgreiche Host hat einmal mit einer mittelmässigen ersten Episode begonnen. Der Unterschied: Sie haben weitergemacht, dazugelernt und sich stetig verbessert.
